Unmenschliches




Fall Anneliese M. – 30 Jahre und kein bisschen weiser...

Am 1. Juli 1976 starb Anneliese Michel, das bekannteste Exorzismusopfer in Deutschland. Die gläubige Katholikin und Pädagogik-Studentin, sie wollte Religionslehrerin werden, litt unter Epilepsie und wurde von sieben Ärzten fast sieben Jahre lang behandelt. Nach längerem Krankenhausaufenthalt erschienen ihr beim täglichen Rosenkranzbeten Teufelsfratzen, die sie von 1970 bis zu ihrem Tod verfolgten. Obwohl viele Neurologen eine psychotherapeutische Ausbildung haben und Depressionen, die nach Epilepsien auftreten, rechtzeitig erkennen müssten, fand diese Diagnose bei Anneliese Michel nicht statt.


Anneliese Michel, 23 Jahre

Weil sie zeitlebens ein “liebes”, gehorsames und korrekt-katholisches Kind sein wollte, verfiel sie ihrem streng dogmatischen Umfeld. Schuld, Buße, Sühne, das sind Begriffe einer Religion, mit der Anneliese aufgewachsen war. Offenbar hegte sie unterschwellige Aggressionen gegen den streng religiösen Vater; der eigentlich Priester werden sollte und drei ihrer Tanten sind Nonnen. - Im Heimatort Klingenberg am Main, im Unterfränkischen, glaubte man tatsächlich, Anneliese sei von leibhaftigen Dämonen besessen. Selbst ihre eigene Oma, die sie Tag für Tag früh um 6 Uhr aus dem Bett zerrte und in die Kirche schleifte, glaubte schon, als dem sechsjährigen Kind vom Weihrauch in der Frühmesse übel wurde, das sei der Teufel, der ihre „reine Mädchenseele fangen wolle“.

Ihre Depressionen wurden immer stärker und ab Sommer 1973 suchten ihre Eltern einen Geistlichen für eine Teufelsaustreibung. „Besessenheit" (infestatio) ist streng geregelt: Dämonen müssen Besitz vom menschlichen Körper ergriffen haben; als Anzeichen gelten Aversionen gegen religiöse Gegenstände und Gerüche sowie "übernatürliche Kräfte". Erst wenn alle Besessenheitskriterien erfüllt sind, kann die bischöfliche Genehmigung für den Exorzismus erteilt werden.

Der erste Exorzismus, vom Würzburger Bischof Dr. Josef Stangl genehmigt, begann neun Monate vor Anneliese Michels Tod und wurde nach dem „Rituale Romanum“ 67 mal an ihr vorgenommen.

Jeden langen Monat, zweimal in der Woche, hatten zwei katholische Priester einen unerbittlichen Kampf mit dem "Bösen" in Anneliese Michel geführt. Insgesamt sechs verschiedene Dämonen hätten sich während des Exorzismus zu erkennen gegeben. Ihre Stimme hätte sich zu einem düsteren Knurren gewandelt, wie von Sinnen sei sie durch das Haus ihrer Eltern gerast. Sie habe sich im Staub des Kohlenkellers gewälzt, sich Fliegen und Spinnen in den Mund gestopft und an Kohlestücken herumgekaut. Mit besonders heftigen Anfällen habe Anneliese immer dann reagiert, wenn sie auf Rosenkränze, Kruzifixe und Heiligenstatuen stieß – das elterliche Haus war voll davon.

Wie konnte die 23jährige junge Frau an Unterernährung und Entkräftung
sterben? Noch eine Woche vor ihrem Tod hätte sie durch künstliche Ernährung gerettet werden können. Und warum sind weder Bischof Dr. Josef Stangl, noch die römisch-katholische Kirche bis heute für ihren Tod zur Verantwortung gezogen worden? Nur die ausführenden Priester, die „Teufelsaustreiber“, und die Eltern wurden vom Gericht zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Hier gibt es Original-Tondateien von Anneliese Michel und Tagebuchnotizen des Pater Renz von der ersten exorzistischen Sitzung.

Nationalkongress der italienischen Exorzisten!
Am 15.9.2005 fand in Rom der Nationalkongress der italienischen Exorzisten statt. Papst Benedikt XVI. bestärkte die Exorzisten und ermutigte sie "mit ihrem wertvollen Dienst an der Kirche fortzufahren". Unterstützt würden sie bei der Erfüllung dieser bedeutenden Aufgabe "durch die fürsorgliche Begleitung ihrer Bischöfe (...)".

International stellen italienische Exorzisten die Mehrheit. Im Anschluss an diesen Kongress begann an der Päpstlichen Universität "Regina Apostolorum" (UPRA) in Rom der Hochschulkurs "Exorzismus und Befreiungsgebet", der Priestern aus aller Welt offen steht.

Ein Exorzist ist ein Bischof oder ein vom Bischof auserwählter Priester, der Befreiungsgebete über einen Menschen sprechen kann, "der vom Teufel besessen ist oder unter seinem Einfluss steht".

Tagende Exorzisten sind bittere Realität und grade erst ein paar Monate her. Unser deutscher Papst begrüßt seine Exorzisten und lobt ihre „bedeutende“ Aufgabe. Ich glaub’ ich träume, „Teufelsaustreibung“ als Studiengang? Von der Kirchensteuer finanziert? ... Oh mein Gott – „Klingenberg 1976“ – ist heute immer noch real. 30 Jahre und kein bisschen weiser...


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Auf der diesjährigen Berlinale hatte der Film „Requiem“ Premiere,
der den Fall Anneliese Michel schildert, die DVD wird im Herbst
kommen. (Regie: Hans-Christian Schmidt, Buch: Bernd Lange)


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„Der Exorzismus von Emily Rose“ noch ein weiterer Film zum Thema
Anneliese Michel, (2005), die Special Edition DVD "Uncut“ ist jetzt
im Handel. (Regie: Scott Derrickson, Buch: Paul Harris Boardman)



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Zum WM Wettbewerb!


33 Kommentare 3.7.06 08:22, kommentieren




Um 10:44 Uhr hatte ich mein Gesicht zurück

Einige von euch haben es ja mitbekommen, gestern Abend kurz vor Mitternacht war plötzlich mein Blog entführt. Alles weiß, kein Gesicht, keine Fotos, keine Schrift.
Meinen Dank an Maria, Buzi, Trick17 und Diane. Ohne eure Taschentücher wäre ich in meinen Tränen ertrunken.
Nachdem ich einige Zeit panisch herum probiert hatte, gelang es mir wenigstens, den Text wieder lesbar zu machen. Schließlich schaffte ich es sogar, ein bonbonrosafarbenes "Elegant"-Layout zu aktivieren. Es sah gruselig aus und ich war todunglücklich.
Heute Morgen probierte ich gleich wieder und wieder mein Wunschlayout zu schalten, zunächst weiterhin ohne Erfolg. Doch dann, um 10:44 Uhr war mein guter, alter Blog wieder da.
Warum, weiß ich auch nicht. Ich habe nichts anderes gemacht als die Stunden davor auch schon.
Waren Hacker am Werk? Ich glaube JA, aber ich denke, ihr Name beginnt mit "20" und hört mit "six" auf...
Denn seit dem "bewußten" Klick vorhin sind nämlich einige Details verändert, zum Beispiel habe ich jetzt oben rechts in der Ecke eine Taste "Skorpionin". Wenn ich ganz mutig bin, wage ich mich nachher mal drauf.
Jetzt hatte ich eine schlaflose Nacht, war einem Herzinfarkt verdammt nahe und wer zahlt nun Schmerzensgeld? – Hey Law-Blogger, wer übernimmt meine Klage...
Na dann, einen schönen Tag und auf ein langes Blogger-Leben.

6 Kommentare 5.4.06 16:02, kommentieren




Bin ich gehackt oder zu blöde?

Hilfe, alles ist weg. Das gibts doch nicht!

14 Kommentare 4.4.06 22:57, kommentieren

Danke

für die vielen bewegenden Beiträge die mich erreicht haben.
Danke, dass du über den Freitod (ja, "Bloody_Angel", du hast Recht - dieser Begriff ist passender) nachgedacht hast.
Danke, für die Zeilen, die DU extra für mich geschrieben hast.
Danke, für deine Geschichte, die DU mir erzählt hast.
Danke, für dein Gedicht, dass ich es lesen durfte.
Danke, dass DU noch da bist.
Und bitte, rede weiter mit mir! Heute, morgen, übermorgen, immer...

5 Kommentare 21.3.06 22:43, kommentieren

Sie nennen es 'nur' Suizid

und keinen scheint es so richtig zu berühren. Dieses kurze Wörtchen mit seinen sechs Buchstaben.
Ich sage Selbstmord dazu. Und du?
Jeden Tag töten sich in Deutschland drei junge Menschen. Und zehn versuchen es. Selbsttötung gehört in dieser Altersgruppe zu den häufigsten Todesursachen.
Beängstigend viele Blogs handeln von ähnlichen Stimmungen.
Ich frage mich: Bei drei Kindern oder Jugendlichen täglich sind das 1095 junge Menschen im Jahr. Wenn ich für JEDEN nur die beiden Eltern, eine Schwester oder Bruder und zwei Verwandte rechne, sind das in der geringsten Variante 5475 Trauernde. Wo stecken die eigentlich? Keiner spricht darüber. Warum...
Sag' DU was dazu...

33 Kommentare 19.3.06 12:59, kommentieren